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Ein Array aus 388 800 Ein-Pixel-Kameras

March 10, 2007
From: Elektronik net
By Harry Schubert

Auch in digitalen Kameras wird die Lichtmenge über Blende und Belichtungszeit gesteuert. Bei kontrastreichen Aufnahmen bleibt hier nur die Wahl zwischen Überbelichtung der hellen Partien oder Unterbelichtung der dunklen Flächen. Bei den "Digital Pixel System" genannten CMOS-Bildsensoren kann dagegen für jedes Pixel einzeln die Belichtungszeit gesteuert werden.

Ein wesentlicher Vorteil der CMOS-Sensoren ist, dass sie in der gleichen Technologie wie Logik-Schaltkreise gefertigt werden und somit ein Bildsensor zusammen mit seiner Ansteuer- und Auswerteschaltung auf einem Chip integriert werden kann. Ein weiterer Vorteil ist die in Zeilen und Spalten organisierte Anordnung der Fotodioden – ähnlich einem Halbleiterspeicher –, die ein Auslesen der Ladung einzelner Pixel erm&0uml;glicht.

In üblichen CMOS-Bildsensoren lassen sich zwar die Bildpunkte einzeln adressieren, aber die Verarbeitung in digitale Bitfolgen geschieht entweder über einen gemeinsamen A/D-Umsetzer am Ausgang oder über den Zeilen zugeordneten A/D-Umsetzer.

Der Arbeitsbereich des Digitalisierers begrenzt somit auch den nutzbaren Dynamikumfang des Sensors, da er für alle Bildpunkte gleich gewählt werden muss. Dies führt etwa bei Gegenlichtaufnahmen dazu, dass einige Fotodioden viel Licht empfangen und ihr Signal den A/D-Umsetzer übersteuert und andere Fotodioden in der gleichen Zeit so wenig Photonen empfangen, dass es nicht reicht, ein Signal über dem Grundrauschen zu erzeugen.

An der Universität Stanford wurde nun die Idee entwickelt, jeden Bildpunkt eines CMOS-Sensors nicht nur individuell auszulesen, sondern individuell zu steuern.

Dazu wurde jedes Pixel mit einem eigenen A/D-Umsetzer ausgestattet. Die patentgeschützte Idee des "Digital Pixel System" wurde von dem eigens dafür gegründeten Unternehmen Pixim Inc. zur Serienreife entwickelt und die Sensoren zusammen mit Bildprozessoren vermarktet.

Die in den Pixeln integrierten A/D-Umsetzer des CMOS-Sensors "D2010" müssen nicht so schnell arbeiten wie die A/D-Umsetzer am Zeilenausgang oder am Sensor-Ausgang.

Für die Pixel-A/D-Umsetzer können folglich langsame und preisgünstig zu integrierende Schaltungen eingesetzt werden, diese arbeiten z.B. nach dem Prinzip der sukzessiven Approximation.

Die digitalen Helligkeitswerte (10 bit) werden – anders als in üblichen CMOS-Bildsensoren -blockweise übertragen: ein Block enthält von allen Pixeln je ein Bit der gleichen Wertigkeit, ein Bild setzt sich demzufolge aus zehn Blöcken zusammen. Die Verarbeitung der Bilddaten erfolgt in einem speziell für diesen Sensor entwickelten Bildprozessor "D2520", der auch die Belichtungszeit individuell für jedes Pixel steuert.

Jedes Pixel arbeitet wie eine unabhängige Kamera, der ganze Sensor entspricht also einem Array aus 720 x 540 digitalen Ein-Pixel-Kameras. Um die Belichtung für jeden Bildpunkt individuell zu steuern, tastet der Bildprozessor die von der Fotodiode gesammelte Ladung 128 Mal während einer Bilddauer periodisch ab.

Empfängt eine Fotodiode viel Licht, so erkennt der Bildprozessor bereits nach wenigen Abtastungen, dass Sättigung droht, und beendet die Belichtung. Fällt dagegen wenig Licht auf eine Fotodiode, so kann sie über mehrere Abfragezyklen Ladung sammeln.

Um die Helligkeitswerte der Bildpunkte in eine dem tatsächlichen Lichteinfall entsprechende Helligkeitsskala zu übertragen, berechnet der Bildprozessor für jedes Pixel einen Verkürzungsfaktor. Dazu merkt sich der Prozessor die Zeit, wann ein Pixel erstmals nahe an die Sättigung gelangt. Anschließend dividiert er die Bilddauer durch diese Zeit und erhält so den Verkürzungsfaktor. Kommt etwa nach der Hälfte der Bilddauer erstmals ein Pixel der Sättigung sehr nahe, so berechnet der Bildprozessor den Verkürzungsfaktor 2. Dieser Faktor besagt, dass dieses Pixel in der Gesamtbelichtungszeit die doppelte Ladung gesammelt hätte.

Der Bildprozessor braucht nur diesen Verkürzungsfaktor mit dem Helligkeitswert der Fotodiode zu multiplizieren und erhält so einen der Realität entsprechenden Helligkeitswert für das Pixel. Mit dieser Methode lässt sich der Dynamikbereich des Bildsensors wesentlich vergrößern, z.B. von den 60 dB des 10-bit-Pixel-A/D-Umsetzers auf 102 dB (17 bit) bei 128-facher Abtastung pro Bild.

Die von Pixim entwickelten CMOS-Sensoren und Bildprozessoren eignen sich insbesondere für den Einsatz in Kameras, die mit wechselnden Lichtverhältnissen und starken Kontrasten umgehen müssen wie z.B. Überwachungskameras.

Mit dem "Digital Pixel System" können selbst bei hohem Kontrast – starkes Gegenlicht durch Sonneneinstrahlung, Blendung durch Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge oder beim Blick aus dem Tunnel – Aufnahmen entstehen, die eindeutig ausgewertet werden können.

Zur Programmierung des Bildprozessors hat Pixim die "Pixim Configuration Language" (PCL) entwickelt, mit der die Grundeinstellungen, die Konfiguration und das On Screen Display (OSD) als Text beschrieben werden können. Per Interpreter wird das PCL-Programm in Maschinencode für den ARM-Prozessor übersetzt, damit sich der Kamera- Entwickler nicht mit dem Prozessor- Code auseinandersetzen muss.

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